Knapp 900 Höhenmeter sind es vom Hintersee hinauf zur Blaueishütte. Der Weg ist teilweise steil und anstrengend, technisch aber unkompliziert. Und die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter besser.

Für mich kam der schönste Abschnitt allerdings erst nach der Blaueishütte. Wir sind noch etwa 20 Minuten weiter ins Blaueiskar gelaufen, bis wir einen richtig guten Blick auf den Blaueisgletscher hatten. Wobei ich ehrlich gesagt etwas überrascht war: Ich hatte mir den Gletscher deutlich größer vorgestellt.

Ob sich die Wanderung trotzdem lohnt? Für mich ganz klar ja. Wegen des Bergpanoramas, der Blicke hinunter zum Hintersee und vor allem wegen des letzten Abschnitts hinter der Blaueishütte.

In diesem Beitrag zeige ich dir unsere Route vom Hintersee über die Schärtenalm zur Blaueishütte, wie anstrengend ich die Wanderung fand und warum ich dir empfehlen würde, an der Hütte noch nicht umzudrehen.

Wanderung zur Blaueishütte – die wichtigsten Infos

TourdatenInfo
StartParkplatz Seeklause am Hintersee
ZielBlaueishütte und weiter zu einem Aussichtspunkt Richtung Blaueisgletscher
Strecke bis Blaueishütteoffiziell 10,5 km für die Tour
Höhenmeter861 hm
Offizielle Gehzeit Aufstiegca. 2,5 Stunden ab Hintersee
Unsere Gehzeitca. 2 Stunden bis zur Blaueishütte
Weiterwegbei uns ca. 20 Minuten bis zu einem guten Gletscherblick
Schwierigkeitmittel, konditionell teilweise anstrengend, technisch unkompliziert
EinkehrSchärtenalm und Blaueishütte
ParkenSeeklause oder Holzlagerplatz, kostenpflichtig
AusrüstungWanderschuhe, Wanderstöcke für mich sehr hilfreich
Unsere TourAnfang September

Berchtesgaden Tourismus stuft die Wanderung als mittelschwere Bergtour ein. Die Blaueishütte selbst rechnet für den Aufstieg vom Hintersee mit etwa 2,5 Stunden. Wir waren etwas schneller und brauchten ungefähr zwei Stunden bis zur Hütte.

Wichtig: Unsere zusätzlichen 20 Minuten führten nicht bis zum Fuß des Blaueisgletschers, sondern zu einem Punkt, von dem wir bereits einen sehr guten Blick darauf hatten. Wer tatsächlich bis zu den Eisresten weitergehen möchte, sollte laut Blaueishütte ab der Hütte etwa 45 bis 60 Minuten einplanen.

Start der Wanderung am Hintersee

Wir starten Anfang September gegen 10 Uhr am Parkplatz Seeklause am Hintersee. Besonders früh ist das nicht – und das merken wir direkt bei der Parkplatzsuche. Wir erwischen tatsächlich einen der letzten freien Plätze.

Wenn du an einem schönen Wandertag unterwegs bist, würde ich deshalb früher starten. Alternativ gibt es etwas vor der Seeklause den Parkplatz am Holzlagerplatz.

Obwohl der Parkplatz schon ziemlich voll ist, verteilt es sich auf dem Weg erstaunlich gut. Natürlich sind andere Wanderer unterwegs, überlaufen empfinde ich die Tour an diesem Tag aber nicht.

Das Wetter sieht zu Beginn noch nicht besonders vielversprechend aus. Der Himmel ist grau und die Berge stecken teilweise in Wolken. Das soll sich zum Glück noch ändern.

Blick vom Wanderweg hinunter auf den Hintersee bei Ramsau
Immer wieder öffnet sich auf der Wanderung der Blick hinunter zum Hintersee.

Vom Hintersee hinauf zur Schärtenalm

Vom Parkplatz folgen wir dem Weg Richtung Blaueishütte. Der erste Teil führt überwiegend über breitere Forst- und Wanderwege durch den Wald.

Ganz gemütlich ist der Aufstieg trotzdem nicht. Immer wieder geht es ordentlich bergauf, dazwischen gibt es aber auch flachere Passagen, auf denen man kurz durchschnaufen kann.

Mit zunehmender Höhe öffnen sich zwischendurch schöne Ausblicke. Besonders der Blick zurück Richtung Hintersee begleitet uns immer wieder auf der Tour.

Nach und nach wird aus dem Forstweg ein typischerer Bergweg und wir erreichen die Schärtenalm auf 1.359 Metern. Sie liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Hintersee und Blaueishütte.

Auf dem Hinweg laufen wir erst einmal weiter. Unsere Pause auf der Schärtenalm heben wir uns für den Abstieg auf.

Schärtenalm auf dem Weg zur Blaueishütte mit Bergpanorama im Hintergrund
Die Schärtenalm liegt ungefähr auf halber Strecke zur Blaueishütte – wir sind hier auf dem Rückweg eingekehrt.

Nach der Schärtenalm wird der Weg steiler

Hinter der Schärtenalm verändert sich der Charakter der Wanderung deutlich. Die breiten Wege liegen größtenteils hinter uns und der Weg wird schmaler und steiler.

Für mich war das der körperlich anstrengendste Teil der Wanderung. Technisch schwierig fand ich ihn dagegen nicht. Es gibt keine Kletterstellen und auf unserem Weg zur Blaueishütte auch keine ausgesetzten Passagen.

Ein sicherer Tritt auf einem Bergweg sollte natürlich vorhanden sein. Besondere Trittsicherheit oder Schwindelfreiheit habe ich für unsere Route aber nicht gebraucht.

Wenn du durchschnittlich konditioniert bist und regelmäßig wanderst, halte ich die Tour für gut machbar. Die knapp 900 Höhenmeter sollte man trotzdem nicht unterschätzen. Vor allem der letzte Teil zieht noch einmal ordentlich an.

Und dann passiert etwas, womit wir bei unserem grauen Start nicht mehr unbedingt gerechnet hatten: Die Wolken reißen auf und die Sonne kommt heraus.

Perfektes Timing.

Ankunft an der Blaueishütte

Nach ungefähr zwei Stunden erreichen wir die Blaueishütte.

Sie liegt im Blaueiskar unterhalb des Hochkaltermassivs. Offiziell wird ihre Höhe mit 1.680 Metern angegeben.

Die Lage ist richtig schön. Hinter der Hütte ragen die Felswände auf, in die andere Richtung geht der Blick hinunter zum Hintersee.

Wir setzen uns trotzdem noch nicht hin.

Unser eigentliches Ziel ist an diesem Tag nicht nur die Blaueishütte. Wir wollen noch ein Stück weiter Richtung Blaueisgletscher – und im Nachhinein war genau das für mich die richtige Entscheidung.

Von der Blaueishütte zum Blaueisgletscher: Unbedingt noch weitergehen

Wenn du noch etwas Zeit und Kraft hast, würde ich an der Blaueishütte nicht umdrehen.

Der Abschnitt hinter der Hütte hat mir von der ganzen Wanderung sogar am besten gefallen.

Der Weg führt weiter hinein in eine karge, zunehmend felsige Hochgebirgslandschaft. Grün wird weniger, Steine und Felsen bestimmen das Bild. Gleichzeitig wird es deutlich ruhiger.

Viele Wanderer scheinen die Blaueishütte als Endpunkt zu nehmen. Auf dem Stück dahinter begegnen uns nur noch wenige Menschen.

Dabei fand ich gerade diesen Abschnitt besonders schön.

Der Weg ist steiniger als zuvor, auf dem Stück, das wir gegangen sind, aber nicht ausgesetzt. Nach ungefähr 20 Minuten hatten wir einen Punkt erreicht, von dem aus wir einen richtig guten Blick auf den Blaueisgletscher und den Bergkessel hatten.

Für diesen Blick musst du also nicht zwingend bis zum Eis laufen.

Möchtest du tatsächlich bis zum Fuß des Gletschers beziehungsweise zu den verbliebenen Eisflächen, musst du mehr Zeit einplanen. Die Blaueishütte gibt dafür 45 bis 60 Minuten ab der Hütte an und klassifiziert den Weg als roten Wanderweg. Unterwegs kommt man außerdem an den Resten der alten Blaueishütte vorbei, die 1955 von einer Lawine zerstört wurde.

Felsige Hochgebirgslandschaft im Blaueiskar oberhalb der Blaueishütte
Hinter der Blaueishütte wird die Landschaft zunehmend felsig – dieser Abschnitt hat mir besonders gut gefallen.

Für uns reicht an diesem Tag der Aussichtspunkt. Und der Eindruck von dort ist ziemlich zwiespältig.

Blaueisgletscher: Ich hatte ihn mir deutlich größer vorgestellt

Die Bergkulisse rund um das Blaueis ist beeindruckend. Keine Frage.

Beim Gletscher selbst war mein erster Gedanke allerdings: Da ist ja kaum noch etwas übrig.

Ich hatte mir den Blaueisgletscher deutlich größer vorgestellt.

Richtig greifbar wird die Veränderung für mich erst durch historische Bilder, die dort gezeigt werden. Wir sehen unter anderem eine Aufnahme aus dem Jahr 1920. Die Gletscherzunge reicht darauf weit den Berg hinunter.

Die Landschaft ist kaum wiederzuerkennen.

Das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck. Der Nationalpark Berchtesgaden dokumentiert die Entwicklung ebenfalls mit historischen Vergleichsbildern. Auf einer Aufnahme von 1938 füllte der Blaueisgletscher noch einen großen Teil des Bergkessels aus. Der Vergleich mit 2018 zeigt eine deutliche Größenveränderung, die der Nationalpark dem Klimawandel zuschreibt.

Heute spricht selbst die Blaueishütte beim Weiterweg zum Gletscher von den dort verbliebenen „Eisresten“.

Gerade dieser direkte Vergleich mit den alten Bildern ist mir von der Tour besonders im Gedächtnis geblieben. Man weiß natürlich, dass die Alpengletscher zurückgehen. Vor Ort zu sehen, wie groß der Unterschied innerhalb von rund einem Jahrhundert ist, ist noch einmal etwas anderes.

Gelber Wanderwegweiser zwischen Felsen im Blaueiskar
Nur wenige Wanderer gingen bei unserem Besuch noch weiter hinter die Blaueishütte Richtung Blaueisgletscher.

Einkehr in der Blaueishütte

Auf dem Rückweg wird es dann Zeit für eine Pause.

Wir kehren in der Blaueishütte ein und essen dort etwas. Das Essen war gut, noch besser gefällt mir aber die Lage. Von der Terrasse beziehungsweise rund um die Hütte hat man einen schönen Blick hinunter Richtung Hintersee.

Für mich ist die Reihenfolge perfekt: erst weiter Richtung Gletscher und danach entspannt einkehren.

Wenn du deine Tour außerhalb der Hauptsaison planst, solltest du vorher unbedingt die aktuellen Öffnungszeiten prüfen. 2026 ist die Blaueishütte laut eigener Angabe bis zum 11. Oktober durchgehend geöffnet; im Winter gibt es dort keinen Winterraum.

Rückweg über die Schärtenalm

Zurück geht es auf demselben Weg.

Jetzt stoppen wir auch an der Schärtenalm, die wir beim Aufstieg ausgelassen hatten.

Und die Pause lohnt sich. Die Alm liegt wirklich schön, die Leute waren bei unserem Besuch ausgesprochen freundlich und der Cappuccino war richtig gut. Nach fast 900 Höhenmetern Aufstieg und dem Abstecher Richtung Gletscher schmeckt er wahrscheinlich noch ein bisschen besser.

Die Schärtenalm ist für mich deshalb nicht nur eine praktische Zwischenstation. Wenn du Zeit hast, würde ich zumindest auf dem Hin- oder Rückweg dort einkehren.

Wie schwierig ist die Wanderung zur Blaueishütte?

Die Schwierigkeit der Wanderung würde ich in zwei Teile trennen.

Technisch fand ich sie unkompliziert. Konditionell ist sie durchaus fordernd.

Bis zur Schärtenalm läufst du viel auf breiteren Wegen. Danach wird der Weg schmaler und vor allem steiler. Es gibt aber auf unserer Route keine ausgesetzten Stellen oder Kletterpassagen.

Mit durchschnittlicher Kondition und etwas Wandererfahrung sollte die Tour gut machbar sein. Wer sonst hauptsächlich flach unterwegs ist, wird die knapp 900 Höhenmeter allerdings spüren.

Berchtesgaden Tourismus stuft die Tour offiziell als „mittel“ ein, während die Blaueishütte den Zustieg vom Hintersee als einfachen Bergwanderweg beschreibt.

Meine Einschätzung passt irgendwo dazwischen: technisch einfach, aber eben kein Spaziergang.

Blick zurück auf die Blaueishütte und die umliegende Berglandschaft im Blaueiskar
Beim Weiterweg Richtung Blaueisgletscher lohnt sich immer wieder der Blick zurück auf die Blaueishütte und das umliegende Bergpanorama.

Braucht man für die Wanderung Trittsicherheit?

Besonders schwierige oder ausgesetzte Stellen hatten wir nicht. Nach der Schärtenalm und vor allem hinter der Blaueishütte wird der Untergrund allerdings steiniger.

Normale Sicherheit auf einem Bergweg solltest du deshalb mitbringen. Wenn du regelmäßig wanderst, ist das aus meiner Sicht nichts Außergewöhnliches.

Welche Ausrüstung brauchst du für die Blaueishütte?

Für die Wanderung würde ich normale Bergausrüstung für eine Tagestour einpacken.

Für mich gehören dazu vor allem:

Gerade Wanderstöcke finde ich bei längeren Auf- und Abstiegen sehr hilfreich. Ich wandere inzwischen eigentlich nicht mehr ohne.

Auch das Wechselshirt war bei dieser Tour sinnvoll. Beim steileren Aufstieg kommt man schnell ins Schwitzen, während es oben in der Höhe deutlich kühler sein kann.

Wenn du wissen möchtest, was bei mir sonst noch in den Rucksack kommt, findest du dazu auch meine ausführliche Packliste für eine Tageswanderung.

Parken für die Wanderung zur Blaueishütte

Wir haben direkt am Parkplatz Seeklause am Hintersee geparkt. Als wir gegen 10 Uhr ankamen, war der Parkplatz bereits nahezu voll.

Ein Stück vorher gibt es eine weitere Parkmöglichkeit am Holzlagerplatz. Beide Parkplätze sind gebührenpflichtig.

Mein Tipp aus unserer Erfahrung: Wenn gutes Wanderwetter angesagt ist, würde ich nicht erst gegen Mittag ankommen. Dass wir um 10 Uhr gerade noch einen Platz bekommen haben, war eher knapp.

Alternativ kannst du mit dem Bus anreisen. Die Linie 846 fährt vom Bahnhof Berchtesgaden Richtung Ramsau/Hintersee; die Haltestelle Holzlagerplatz liegt direkt am Beginn eines Hüttenzustiegs.

Mein Tipp nach der Wanderung: Wimbachklamm

Nach dem Abstieg war unser Tag tatsächlich noch nicht vorbei.

Wir sind vom Hintersee weiter zur Wimbachklamm gefahren. Mit dem Auto brauchten wir ungefähr 15 Minuten.

Nach knapp 900 Höhenmetern klingt eine weitere Wanderung vielleicht erst einmal wenig verlockend. Die Wimbachklamm lässt sich aber gut anhängen, weil die eigentliche Klamm sehr kurz ist.

Der Weg durch die Schlucht ist nur ungefähr 200 Meter lang und führt über Stege und Brücken direkt am Wasser entlang.

Für uns hatte der späte Besuch sogar einen Vorteil: Am Nachmittag war deutlich weniger los und das Licht in der Klamm war richtig schön.

Wenn du also nach der Blaueishütte noch Lust auf einen kurzen Abstecher hast, finde ich diese Kombination ziemlich gelungen. Erst Bergpanorama und Gletscher, danach Wasser und enge Felswände – ohne dass du noch einmal eine große Tour starten musst.

Noch mehr Ausflüge und Wanderungen in der Region findest du in meinem Beitrag Berchtesgaden Sehenswürdigkeiten – meine Tipps für Königssee, Klammen & Wanderungen.

Mein Fazit zur Wanderung zur Blaueishütte

Für mich war die Wanderung vor allem wegen der Kombination aus Hintersee, Bergpanorama und Blaueiskar stark.

Am meisten überrascht hat mich tatsächlich der Abschnitt hinter der Blaueishütte. Dort wurde es ruhiger, felsiger und für mich landschaftlich am schönsten.

Der Blaueisgletscher selbst war kleiner, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Gerade deshalb fand ich den Vergleich mit den historischen Bildern vor Ort ziemlich eindrücklich.

Wenn du die Tour machst, würde ich an der Blaueishütte also nicht umdrehen. Die zusätzlichen 20 Minuten haben sich für mich absolut gelohnt.