Die Gießenbachklamm bei Kiefersfelden ist eine kurze, abwechslungsreiche Rundwanderung mit Wasserrad, gesichertem Klammsteig, Schopperalm und Aussicht vom Trojerhof. Die Runde ist etwa 5,1 Kilometer lang und hat rund 236 Höhenmeter. Ich bin sie inzwischen mehrmals gegangen – besonders gut gefällt mir, wie viel Abwechslung auf relativ kurzer Strecke zusammenkommt.

Für Familien ist die Wanderung grundsätzlich gut geeignet, sofern die Kinder bereits trittsicher sind und Treppen sicher bewältigen können. Mit Kinderwagen ist die Runde wegen der vielen Stufen nicht machbar. Da der Klammsteig besonders nach Regen rutschig sein kann, sind stabile Schuhe wichtig.

Aktualisiert: Juli 2026

Gießenbachklamm, kurz zusammengefasst
Strecke: etwa 5,1 km
Gehzeit: rund 1,5 bis 2 Stunden ohne längere Einkehr
Höhenmeter: etwa 236 m
Schwierigkeit: leicht, aber viele Stufen und bei Nässe rutschig
Kinder: offiziell ab etwa 6 Jahren empfohlen
Kinderwagen: nicht geeignet
Eintritt: frei
Parkplatz: direkt beim Wasserrad; gebührenpflichtig
Öffnung: normalerweise Frühjahr bis Mitte November; aktuellen Status beim Tourismusinformation Kiefersfelden abfragen
Einkehr: Schopperalm, saisonal bewirtschaftet

Anfahrt & Parkplatz zur Gießenbachklamm in Kiefersfelden

Von der A93 nimmst du die Ausfahrt Kiefersfelden und folgst im Ort der Thierseestraße Richtung Breitenau beziehungsweise Gießenbach. Als Navigationsziel eignet sich „Parkplatz Gießenbachklamm / Wasserrad“. Der gebührenpflichtige Parkplatz liegt direkt beim großen Wasserrad am Start der Wanderung.

Rundwanderung Gießenbachklamm – alle Infos zur Route

Der Klammsteig führt auf einem gesicherten Weg entlang der Schlucht, kann je nach Witterung aber rutschig sein. Stabile Schuhe sind deshalb wichtig. Für die komplette Rundwanderung solltest du je nach Tempo etwa 1,5 bis 2 Stunden reine Gehzeit einplanen.

Bei unserer Runde haben wir vom Parkplatz am Wasserrad bis zur Schopperalm ungefähr 45 Minuten gebraucht. Von dort waren es noch einmal rund 40 Minuten bis zum Trojerhof. Für den abschließenden Rückweg über die Asphaltstraße zum Parkplatz benötigten wir etwa 20 Minuten. Mit einer Einkehr auf der Schopperalm solltest du entsprechend mehr Zeit einplanen.

Die Gießenbachklamm – Naturwunder in Oberbayern

Die Gießenbachklamm ist ein faszinierender Wanderpfad, der durch seine beeindruckenden, glatt geschliffenen Felswände besticht. Durch das dichte Blätterdach der Bäume dringen vereinzelt Sonnenstrahlen, die eine magische Atmosphäre schaffen, und in einer Tiefe von etwa 60 Metern fließt das klare Gebirgswasser des Gießenbachs.

Die unaufhaltsame Kraft des Bachs hat im Laufe der Zeit diese Schlucht geformt und zu einer atemberaubenden Naturlandschaft gestaltet. Bereits seit 1910 nutzt der Mensch hier die natürliche Wasserkraft. Er schuf einen Weg in die steil abfallende Felswand und errichtete am oberen Ende der Klamm ein Stauwerk. Heute ist der abwechslungsreiche Klammsteig ein beliebtes Ziel für eine kurze Familienwanderung.

Gießenbach unterhalb der Klamm in Kiefersfelden
Der Gießenbach begleitet die ersten Meter der Wanderung.

Gießenbachklamm mit Kindern und Hund: Das solltest du wissen

Die Rundwanderung durch die Gießenbachklamm ist grundsätzlich gut für Familien geeignet. Der Weg durch die Schlucht ist mit Geländern und Maschendraht gesichert, führt stellenweise aber deutlich oberhalb des Bachs entlang. Außerdem müssen rund 180 Stufen überwunden werden. Mit Kinderwagen ist die Tour deshalb nicht machbar.

Der Kieferer Energiewanderweg empfiehlt den Klammabschnitt ab etwa sechs Jahren. Aus meiner Sicht ist das allerdings nur ein Richtwert: Trittsichere Kinder, die Treppen sicher bewältigen und auf schmaleren Passagen zuverlässig hören, können die Runde unter enger Begleitung je nach Erfahrung auch schon mit vier oder fünf Jahren schaffen.

Auch mit Hund ist die Wanderung grundsätzlich möglich. Auf den schmaleren Abschnitten und den Treppen würde ich den Hund jedoch kurz führen. Ob aktuell eine Leinenpflicht gilt, solltest du vor Ort anhand der aktuellen Beschilderung prüfen.

Alle Stationen der Gießenbachklamm-Runde

Wasserrad Bleier-Sag – Bayerns größtes Wasserrad

Ein imposantes Highlight am Anfang des Wanderweges durch die Gießenbachklamm ist Bayerns größtes Wasserrad, das seit 1997 dort steht. Dieses beeindruckende Wasserrad wurde von Sebastian Bleier erbaut. Das Wasser strömt oberhalb des Rad-Scheitelpunktes in die Schaufeln und treibt das massive, knapp zwölf Tonnen schwere Rad mit einer Geschwindigkeit von vier Umdrehungen pro Minute an.

An einen Generator angeschlossen, erzeugt das Wasserrad rund 110.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit deckt es den Eigenbedarf der Familie; der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und reicht rechnerisch für etwa 35 weitere Haushalte.

Ruine Sägemehlmühle – ein Blick in die Vergangenheit

Etwa 50 Meter hinter dem Einlasswehr des Wasserrades verbirgt sich auf der gegenüberliegenden Bachseite eine gut versteckte Ruine – die Überreste einer ehemaligen Sägemehlmühle. Diese Mühle wurde einst vom Wasser des Gießenbachs angetrieben. Die fein gemahlenen Sägespäne wurden mit Schwarzpulver vermischt, was eine hochexplosive Mischung ergab. Diese wurde für Sprengungen im Steinbruch und beim Abbau von Kalkstein unter Tage verwendet.  

Wasserkraftwerk Gießenbach – Energie aus Wasserkraft seit 1910

Folgst du dem Weg entlang des Bachs, gelangst du zunächst zum Wasserkraftwerk Gießenbach. Das Wasserkraftwerk wurde im Jahr 1910 errichtet und markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der kommunalen Energieversorgung von Kiefersfelden. Mit einer anfänglichen Leistung von 74 Kilowatt wurde später im Jahr 1929 eine neue Turbine eingebaut. Heutzutage erzeugt das Kraftwerk rund eine Million Kilowattstunden, genug, um den Bedarf von etwa 300 Haushalten zu decken.

Wasserkraftwerk Gießenbach unterhalb des Klammsteigs
Hinter dem Kraftwerk beginnt der Anstieg in die Klamm.

Das Wasserschloss – technisches Highlight der Klamm

Hinter dem Kraftwerk führt ein Pfad mit etwa 180 Stufen den Wald hinauf, der direkt zur Gießenbachklamm führt. Am oberen Ende der Treppe erwartet dich das unscheinbare »Wasserschloss«. Obwohl der Begriff Wasserschloss normalerweise an eine prächtige Burg erinnert, die von Wassergräben umgeben ist, um feindliche Angriffe abzuwehren, hat er bei Wasserkraftwerken eine ingenieurtechnische Bedeutung. In diesem Fall dient das Wasserschloss dazu, zerstörerische Druckstöße zu verhindern. Ein Behälter in einem Holzhäuschen gleicht Druckschwankungen im Wasserzulauf vom Stauwerk aus und sorgt so für einen konstanten Wasserfluss.

Gießenbachklamm – gesicherter Steig durch die Schlucht

Begib dich nun auf den faszinierenden Weg entlang der Klamm und erlebe die beeindruckenden Felswände mit tiefen Einblicken in die Schlucht. Auf dem gesicherten Steig öffnet sich immer wieder der Blick tief hinunter zum Gießenbach. Gerade dieser kurze Abschnitt zwischen Felswand und Schlucht ist der landschaftlich schönste Teil der Runde.

Geländer am Steig durch die Gießenbachklamm
Der Weg ist gesichert, kann bei Nässe aber rutschig sein.

Sachs-Steg – Historische Brücke über die Klamm

Am Ende der Gießenbachklamm erwartet dich dann der Sachs-Steg am Stauwehr. Dieser aus Stahl gefertigte Steg wurde zu Ehren von Ernst Sachs aus Schweinfurt benannt, dem Erfinder der Fahrrad-Freilaufnabe. Bis heute besitzt die Familie von Ernst Sachs im angrenzenden Bergwald Immobilien und Grundstücke. Ihre Spende ermöglichte im Jahr 1932 den Bau des ersten festen Stegs über die Gießenbachklamm. Davor wurden Übergänge immer wieder von Hochwasser mitgerissen. Im Sommer 2019 wurden schließlich die jetzigen beiden Stahlbrückenteile des Sachs-Steges mit einem Hubschrauber auf verstärkte Fundamente gesetzt.

Sachs-Steg am Stauwehr der Gießenbachklamm
Der Sachs-Steg führt am oberen Ende über die Klamm.

Staumauer – kleiner See am Ende der Klamm

Direkt gegenüber des Stegs staut eine Mauer den Gießenbach auf, wodurch ein kleiner See entsteht. Das Stauwerk ist seit 1910 dafür verantwortlich, das benötigte Wasser für das Kraftwerk abzuleiten. Das überschüssige Wasser stürzt über die Mauer in die Klamm. Abhängig von der Menge kann der Wasserstrom ruhig dahinfließen oder bei starkem Regen oder Schneeschmelze zu einem reißenden Fluss werden.

Staumauer und kleiner Stausee oberhalb der Gießenbachklamm
Hinter der Staumauer wird Wasser für das Kraftwerk abgeleitet.

Schopper Alm – Einkehr oberhalb der Gießenbachklamm

Vom Sachs-Steg aus sind es nur noch wenige Minuten Gehzeit bis zur Schopper Alm. Hier kannst du hausgemachten Kuchen und bayerische Schmankerl genießen. Der Innenraum der Alm ist rustikal gestaltet, während die Terrasse einen schönen Blick auf die sattgrüne Natur bietet. Kinder können sich im Sandkasten und auf der Bobbycar-Strecke austoben, oder sie streicheln die süßen Ziegen.

Bobbycar-Strecke für Kinder an der Schopperalm
Bobby Car Rennstrecke
Ziegengehege an der Schopperalm bei Kiefersfelden
Zum Außenbereich der Alm gehört ein kleines Ziegengehege.

Trojer Hof – historischer Bauernhof mit Aussicht

Nach einer gemütlichen Einkehr in der Schopperalm setzt du den Rundweg fort, indem du dich nach rechts wendest und dem Weg weiter folgst. Das letzte Highlight dieser Tour ist schließlich der Trojer Hof. Der Trojer ist ein abgelegener Bio-Bauernhof auf einem Hochplateau, von dem aus du einen schönen Panoramablick auf den Wilden Kaiser und das Inntal hast.

Der Name „Trojer“ leitet sich übrigens vom keltischen Wort „troi“ ab und bedeutet „Viehsteig“. Das Anwesen wurde bereits 1140 urkundlich erwähnt. Sowohl das Haupthaus als auch das Zuhaus stehen heute unter Denkmalschutz. Vom Trojer Hof führt der Weg schließlich auf einer Asphaltstraße zurück zum Parkplatz.

Denkmalgeschützter Trojerhof bei Kiefersfelden
Der historische Trojerhof liegt auf einem Hochplateau oberhalb des Inntals.
Trojer Hof
Kleine Kapelle am Trojer Hof
Blick vom Trojerhof ins Inntal und zum Kaisergebirge
Vom Hochplateau öffnet sich der Blick ins Inntal und Richtung Kaisergebirge.

Öffnungszeiten und beste Jahreszeit für die Gießenbachklamm

Die Gießenbachklamm ist normalerweise vom Frühjahr bis Mitte November begehbar. Im Winter wird der Klammsteig wegen Eis, Schnee und möglicher Gefahren durch Lawinen beziehungsweise Eisbruch gesperrt. Der genaue Öffnungstermin im Frühjahr hängt von den Bedingungen ab und kann auch nach Ostern liegen.

Prüfe deshalb besonders im Frühjahr, nach Unwettern und im Spätherbst vor der Anreise den aktuellen Status bei Tourismus Kiefersfelden. Auch die Schopperalm ist saisonal geöffnet; ihre Öffnungszeiten können sich wetterbedingt kurzfristig ändern.

Weitere familienfreundliche Wanderungen findest du in meiner Übersicht „Wandern in Deutschland & den Alpen“.

Mein Fazit zur Wanderung Gießenbachklamm

Ich bin die Gießenbachklamm inzwischen mehrmals gegangen. Ihre Stärke ist für mich weniger die Größe der Schlucht als die Abwechslung auf kurzer Strecke: Wasserrad, viele Stufen, der gesicherte Klammsteig, eine mögliche Einkehr und zum Abschluss der Blick vom Trojerhof ins Inntal.

Die Runde passt gut, wenn du eine kurze Wanderung ohne Gipfel suchst oder mit Kindern unterwegs bist, die Stufen sicher bewältigen. An warmen Tagen lässt sich der Ausflug gut mit dem nahe gelegenen Hechtsee verbinden.

Weitere Ausflugstipps für Familien in Bayern

Wenn du auf der Suche nach weiteren wanderfreundlichen Ausflugszielen in Bayern bist, habe ich noch ein paar Empfehlungen für dich:
Wie wäre es mit der beeindruckenden Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen? Sie ist gut mit Kindern machbar und bietet ein echtes Naturerlebnis auf gesicherten Wegen. Etwas wilder, aber nicht minder eindrucksvoll: die Höllentalklamm in Grainau – ideal, wenn du Lust auf eine erweiterte Wanderung zur Höllentalangerhütte hast.

Oder lieber etwas aussichtsreicher? Dann empfehle ich dir einen Ausflug auf den Wendelstein, einen der bekanntesten Gipfel der Region – perfekt für Familien mit aktiven Kids.

Auch der Chiemsee lohnt sich: Ob bei einer gemütlichen Radtour rund um den See oder beim Besuch von Schloss Herrenchiemsee und der idyllischen Fraueninsel – hier kommt Urlaubsstimmung auf.

Ich hoffe, der Artikel hat dir weitergeholfen und dir ein paar nützliche Anregungen für deine eigene Tour oder Reise gegeben. Hast du noch eine Frage oder möchtest du eigene Erfahrungen ergänzen? Dann schreib mir gern einen Kommentar – davon profitieren auch andere Leserinnen und Leser. Du kannst den Beitrag außerdem auf Pinterest speichern oder mit jemandem teilen, für den die Tipps ebenfalls hilfreich sind.

Über mich
Ich bin Sabine und schreibe seit 2015 auf ReiseSpatz über meine eigenen Reisen. Meine Tipps basieren auf persönlichen Erfahrungen und gründlicher Recherche – mit ehrlichen Einschätzungen dazu, was sich wirklich lohnt und was eher nicht.

Mehr Reisetipps und aktuelle Einblicke
Facebook · Instagram · Pinterest

Gipfeltouren und Bergmomente festhalten
In meinem Gipfelbuch* kannst du deine Touren, Höhenmeter, Gipfel und besondere Erlebnisse in den Bergen übersichtlich festhalten.

Transparenzhinweis: Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber buchst oder einkaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis unverändert.